Der Schmerz des Erwachsenwerdens

eurydike:

Die Verfilmung
des Romans «Ruf mich bei deinem Namen» von André Aciman lief schon
letztes Jahr am Sundance und bei der Berlinale. Das lange Warten auf
dieses filmische Kleinod hat nun aber ein Ende: Endlich kann man sich in
das Italien vergangener Tage entführen lassen, der eigenen Erinnerung
nachhängen und dieses Werk genießen.

Bildergalerie

Norditalien im Jahr 1983: Der Student Oliver (Armie Hammer) verbringt den Sommer bei seinem Professor und dessen Familie. Dabei lernt er auch den 17-jährigen Sohn des Professors, Elio (Timothée Chalamet)
kennen, der in einem multikulturellen Haushalt aufgewachsen ist,
mehrere Sprachen spricht und gebildeter erscheint als es Jungs in seinem
Alter sind. Oliver und Elio verstehen sich sehr gut. Nach und nach
werden aus den flüchtigen gegenseitigen Berührungen mehr – auch wenn es
dauert, bis beide sich einzugestehen bereit sind, dass sie einander
lieben.

Natürlich geht es um die Beziehung zweier Männer,
relevant ist dieser Umstand aber nicht. Denn Gefühle sind universell und
werden hier so unglaublich authentisch und mitreißend dargeboten, dass
man gar nicht anders kann, als sich in diesen Film zu verlieben. Es ist
wunderbar gelöst, wie Oliver und Elio zuerst umeinander kreisen und sich
dann langsam näher kommen. Das alles findet einen ersten Höhepunkt, als
sie sich das erste Mal lieben. Eine wunderschöne Sequenz, die in keinem
Moment übertrieben ist, sondern auch das Unbeholfene und Tapsige der
Situation voll erfasst. Hier wird mit einer Ehrlichkeit erzählt, die man
bei romantischen Filmen selten findet.

Call Me By Your Name
ist ein Film über die erste Liebe, über die Schmetterlinge im Bauch,
über die Unsicherheiten, über die Ängste und Begehrlichkeiten, über das
Kennenlernen des anderen auf geistiger und körperlicher Ebene und über
den Schmerz, den das unweigerliche Scheitern mit sich bringen muss. Denn
wie oft ist die erste auch die große, ewige Liebe? Aber darum geht es
nicht, weil es Teil des Erwachsenwerdens ist, auch mit dem Schmerz
fertig zu werden und mit dem eigenen Leben weiterzumachen.

Armie Hammer und Timothee Chalamet spielen außergewöhnlich gut, aber auch Michael Stuhlbarg
als Vater hat einen grandiosen Moment, als er seinem Sohn am Ende nicht
nur beisteht und ihm gut zuredet, sondern auch akzeptiert, wie er ist.
Regisseur Luca Guadagnino
erzählt das alles mit einem unglaublichen Sinn für Schönheit, der die
der Geschichte inhärente Traurigkeit nur noch mehr akzentuiert. Call Me By Your Name ist ganz großes Kino, das mit echten Gefühlen auch eine ebenso echte Reaktion beim Zuschauer hervorruft.

@isitandwonder 😀

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