Haha, okay, ich hab mir grad die aktuelle Spex gekauft und was seh ich da drin auf der ersten Seite, die ich aufschlag? Eine typisch Spexische schwurbelig-schöne Besprechung von CMBYN und Thelma (von Joachim Trier). Bonus: auf dem Cover ist David Byrne von den Talking Heads.
Hier ein paar Highlights:
“Liberal ist das Untereinander, und das Leben scheint durchgehend von einer beneidenswerten Leichtigkeit geprägt. Relikte der Vergangenheit bilden gleich zu Beginn eine Sequenz aus combine paintings […] Später werden hellenische Skulpturen pittoresk aus dem Gardasee gezogen…”
Allerdings hat auch Spex ein Problem damit, dass es keinen richtigen Antagonisten gibt:
“Der Hauptkonflikt des Films scheint zwar der jüdische Glaube [häh? Konflikt?] zu sein (oder doch auch der Altersunterschied zwischen Elio und Oliver?), aber das tränenreiche und rührende Finale sagt schließlich deutlich, dass es für einen wie Elio nicht viel zu befürchten gibt, Achtzigerjahre und Italien hin oder her.”
“Sein [Elios] bockiger Widerstand gegen Oliver, die fast prüden Begegnungen und das Umeinander-Herum-Getanze der beiden birgt schon einiges erotisches Potential, bringt aber auch die Frage mit sich, weshalb der Film dabei so keusch, fast konservativ operiert. Elios angedeutete Erektion, die ersten körperlichen Annäherungen und die fast peinlich-nostalgischen Wegschwenks der Kamera beim Sex machen schwule Sexualität im Film dadurch beinahe anti-radikal, zumal sie nie in irgendeiner gesellschaftlichen Öffentlichkeit passiert.”
Ein bisschen stört mich zwar, dass bei CMBYN von einem schwulen Paar die Rede ist (ich seh die ja eher bisexuell) aber oft genug wird auch einfach queer verwendet, das geht dann schon in Ordnung.
“Stichwort: universelle Liebesgeschichte, der ganze heteronormative Scheiß. Das gedankliche ‘Fick mich, Elio, fick mich fester’, das ‘ich sterbe, wenn du aufhörst’ und das gesagte ‘Spucks ruhig aus,ich nehms dir nicht übel’ aus dem Roman, nachdem die berüchtigte verbotene Frucht ins Spiel gekommen ist, sind im Film jedenfalls den schönen, zahmen Bildern des Kameramanns Sayombhu Mukdeeprom gewichen. Einen Penis sieht man den ganzen Film über nicht.”
Aber es endet trotz allem mit:
“Unterm Strich bleiben dennoch zwei in sich irgendwie perfekte Filme […] und ein ziemlich phänomenaler Darsteller, der vielleicht in seinem Spiel schon fast zu sichere Timothée Chalamet…”
“Es bleiben zudem Filme, für die man der großen Leinwand dankt […] Und man dankt den Filmen, dass sie Queerness verhandeln und man sich darüber noch streiten kann.”
Thelma klingt übrigens auch ziemlich gut. Läuft in Deutschland ab dem 22.3.18.